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Klaus Lüderssen
Kein Gershwin mehr in Wernigerode

220 Seiten gebunden, ISBN 978-3-416-03281-0
€ 24.90

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"Gerade die Skepsis des Autors gegen einen unbedingten Wahrheitsanspruch macht diese Lebensgeschichte so authentisch. Die Kunst, in der Schwebe zu halten, was als Erinnerungsfluss zur Sprache geronnen ist, erreicht hier ein Niveau, wie man es ganz selten in zeitgenössischen Autobiographien antrifft." (FAZ 30.11.10)

"Klaus Lüderssens Erinnerungsbuch „Kein Gershwin in Wernigerode“ beschwört Kindheit und Jugend eines 1932 Geborenen herauf. Wie bewusst wurde die Pogromnacht erlebt? Präsent die Erinnerung an die Ablehnung der Nazis durch eine kühle Mutter, den am 1. September 1939 im Wagen stehenden Vater. So rückt er ein zum Polenfeldzug. Der Abschied, Episode und Katastrophe, fordert auf zur Rekonstruktion, ob der Vater, kein Parteigänger, unpolitisch wie Hunderttausende, sich schuldig gemacht hat an Kriegsverbrechen in Polen. Quälende Recherchen lieferten erst in den letzten Jahren erdrückende Beweise.
Für seine Erinnerungen hat Lüderssen die Bewusstseinsstromversorgung der Literaturmoderne angezapft. Mitreißend ist das Ergebnis..."
(Frankfurter Rundschau 09.02.11)


In dem unendlichen Parallelogramm der Kräfte und
Motive, die zum Nazi-Regime geführt haben, gibt
es verborgene Linien die zeigen: Böse politische
Entwicklungen werden schrecklicher, wenn man sie
genauer erklärt.
Wie das nationalsozialistische Leben dort, wo es
nicht um Hochfinanz und Militär ging, ideologisierend
in den Alltag eindrang, wird in den großen geschichtlichen
und politischen Abrechnungen leicht
übersehen, kann vielleicht überhaupt nur erzählend
reflektiert werden.
Wenn das nun aus der Perspektive eines sehr jungen
Menschen geschieht – eingebettet in die Zufälligkeiten
seines Aufwachsens – mag der Leser die
Wahrheit bezweifeln, sowohl des Erlebten wie seiner
Darstellung. Wählt diese, wie im vorliegenden Text,
die Sprache des Erwachsenen, wächst das Misstrauen.
Aber hier gilt, was Peter Weiss gesagt hat: „Ich
spreche Dinge aus, die ich mir erarbeitet habe, das Ich hat sich verschoben, was damals angelegt war, wird jetzt
ausgeführt, aber alle Details sind authentisch.“
Bis heute hat jene Generation ja weitgehend geschwiegen, die in Krieg und Politik nicht noch ernsthaft verwickelt
werden konnte, deren Fähigkeit aber, Nahes und auch Fernes auf diesem Gebiet schon wahrzunehmen und mitzuerleben,
begünstigt (oder, wenn man will, beschädigt) war durch eine den Zeitläufen gemäße, früh entstandene
Empfindsamkeit. Sie knüpft sich an in Familien und andere private oder vom Privaten dominierte Verhältnisse
reichende politische Einflüsse. Sie werden vom Großräumig-Spektakulärem nach wie vor verdeckt, und spielten
doch einen schwer zu definierenden aktiven Part. Sie waren heimliche Grundlage, offener Anspruch, aber auch
zähes, nie richtig registriertes Hemmnis, repräsentiert durch Eindrücke aus früher Jugend, die – überall hin dringende
– totalitäre Regime hinterlassen. So wird aus diesem Buch – lange Perioden akademischen Lebens geisterhaft
überspringend – eine politische Erzählung am Rande der Kindheit.

Klaus Lüderssen, geb. 1932, ist seit 1971 Professor an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am
Main. Seine Interessen konzentrieren sich gegenwärtig vor allem auf Grundfragen der Kriminalpolitik, wissenschaftstheoretische
Probleme strafrechtsgeschichtlicher und rechtsphilosophischer Forschung; Wirtschaftsstrafrecht; Recht und Literatur.  



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